Spielball der Meinungen – wie der Sport zur Bühne wird

Liebe Kickers Familie,

ist der Fußball immer noch nur Fußball oder beschäftigen wir uns inzwischen fast mit allem außer Fußball. Dieser Frage gehen wir heute etwas mehr auf den Grund.

In der Welt des Fußballs sind extreme Meinungswechsel allgegenwärtig und können sich auf verschiedene Aspekte des Sports beziehen. Heute wird ein Spieler als das neue Jahrhunderttalent gefeiert, nur um morgen bereits als Sündenbock der Nation dargestellt zu werden. Insbesondere in den Medien ist dies für jede Person ein Fluch.

Nicht zuletzt führte das pinkfarbene Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu einer starken Polarisierung. Einige loben das mutige Design, während andere darin eine Politisierung des Fußballs sehen. Offensichtlich strebt Adidas mit dieser Farbwahl nach Aufmerksamkeit und Diskussionen – ein cleveres Marketing. Die Verkaufszahlen sprechen für sich und verdienen Anerkennung für die Marketingabteilung von Adidas: Das Trikot ist bereits jetzt das meistverkaufte Auswärtstrikot in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Die Frage, ob dies zur Einheit oder Spaltung einer Nation beiträgt, bleibt offen.

Sport sollte als Sport und Quelle der Freude betrachtet werden, nicht als politisches Instrument. Wie bereits in der “All or Nothing” Dokumentation von Amazon erwähnt wurde, lenkt die extreme Meinungsbildung der Medien über die politische Bedeutung der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2020 in Katar von der sportlichen Leistung ab. Der Sport gerät zunehmend in den Hintergrund, und Spieler werden ungewollt zu politischen Sprachrohren. Regenbogen-Kapitänsbinden oder die “Hand vor den Mund”-Geste lenken von dem ab, wofür wir den Sport schauen und lieben. Das Trikot, der Ort und die persönlichen Ansichten eines Sportlers spielen im ersten Moment keinerlei Rolle. Diese Entscheidungen werden von Personen getroffen, die nicht im sportlichen Vordergrund stehen.

Die Kommerzialisierung des Fußballs, insbesondere des DFB, ist kein Geheimnis. Der deutsche Fußball konkurriert mit anderen Nationen und muss sich behaupten. Da Wirtschaft nun einmal Geld bedeutet, muss der DFB sicherstellen, dass er finanziell über die Runden kommt. Es ist lobenswert, dass Adidas seit Jahrzehnten die deutsche Nationalmannschaft ausrüstet. Wenn ein anderer Anbieter laut Medien fast das Doppelte für einen Ausrüstervertrag bietet, wäre es fahrlässig, das Angebot nicht anzunehmen. Das ist schlicht ökonomisches Handeln.

Der Sportler ist für den Sport da, und nichts anderes. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder die Liebe zum Spiel in den Vordergrund zu rücken und sich auf das sportliche Ereignis im Sommer zu freuen, ohne Politik und ohne Rechtfertigungen der Spieler darüber, warum sie ein pinkes Trikot tragen oder wieso eine Regenbogenfarbe als Armbinde in einem fragwürdigen Land getragen werden sollte.

Wenn wir diesen Gedanken auf unsere lokalen Fußballplätze übertragen, stellen wir fest, dass auch hier oft mehr über andere Themen als die Freude am Spiel gesprochen wird. Sind nicht zu oft die Träume und Fantasien der Eltern und Trainer wichtiger als die der Kinder? Natürlich wollen Kinder auch Profis werden und vor Tausenden spielen. Aber ist das wirklich ihr erster Wunsch? Wahrscheinlich nicht. Am Anfang steht die Freude am Spiel bei den kleinen Kickern. Interpretieren Außenstehende nicht oft zu viel in den Sport und in die sehr jungen Menschen hinein, die dort nichts zu suchen haben?

Träumen ist wichtig, aber nur der eigene Traum verleiht Flügel und bringt die jungen Spieler voran. Der Traum und Wunsch anderer sind nur eine lockende Karotte, die vor der Nase der Spieler baumelt. Unzählige Vereinswechsel in der U10 werden sicher nicht die Freude der Spieler vergrößern. Wie bei den Profis sollten wir den Sport wieder in den Mittelpunkt stellen und nicht das Drumherum aufblasen.

Fußball soll die schönste Nebensache der Welt sein!

Euer Jonas

 

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