Liebe Kickers Familie,
im Fußball können in jungen Jahren Verletzungen vor allem im Wachstum Schmerzen am Knie oder der Ferse auftreten. In den meisten Fällen sind es die gleichen Probleme.
Der Schmerz ist da!
Juni 2006, U 12-Turntraining in der Sporthalle der ZHS (Zentrale Hochschulsportanlage) München. Bei der Landung vom Barren schoss plötzlich ein stechender Schmerz in mein Knie. Mein Bein sackte mitten in der Übung weg. Der pochende Schmerz, den ich bei jeder noch so kleinen Berührung spürte, selbst wenn das Knie nicht belastet wurde, begleitete mich über die kommenden Monate. Mit der Zeit wurde es leichter. Jedoch bildete sich direkt unter meiner Kniescheibe ein kleiner pochender Huckel, die Folge eines Wachstumsschubs.
So wie mir damals geht es vielen Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase. Konkret handelt es sich dabei um den sogenannten Morbus Osgood-Schlatter, eine häufige Muskel-Skelett-Erkrankung verursacht durch hohe Belastung. Diese wiederholte Anstrengung und Zugspannung, besonders während intensiven Wachstumsphasen, kann zu einer Reizung und Entzündung der Patellasehne am Ansatzpunkt des Schienbeins führen, was die typischen Schmerzen und Schwellungen verursacht. Speziell bei Sportarten mit Sprüngen und Sprints wird die Patellasehne stark beansprucht, so auch beim Fußball.
Gründe für Schmerzen
Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. Schnelles Wachstum führt zu einer permanenten Spannung an den Knochen- und Sehnenansätzen. Zudem ist die Muskulatur, vor allem an der Oberschenkelvorder- und -rückseite, noch zu gering. Oft spielt auch eine gewisse Steifheit, meist in der hinteren Oberschenkelkette, eine Rolle. Des Weiteren kann es durch Vitamin D-Mangel oder durch die Veränderung des Hormonhaushalts in der Pubertät zu Durchblutungsstörungen kommen, wodurch Schadstoffe schlechter abtransportiert werden.
Die Probleme an der Wachstumsfuge verwachsen sich mit der Zeit. Sport kann und sollte immer gemacht werden, jedoch möglichst ohne intensive und häufige Sprünge. Wenn der Schmerz zu stark wird, hilft in manchen Fällen allerdings nur eine Trainingspause.
Um den Heilungsprozess zu unterstützen, sollte der betroffene Bereich regelmäßig gekühlt werden, um die Durchblutung zu fördern. Zudem können entzündungshemmende Salben oder Quarkumschläge aufgetragen werden. Darüber hinaus sind gezielte Kräftigungs- und Dehnungsübungen der Oberschenkelmuskulatur ratsam. Um das Kniegelenk zu entlasten, hilft oft auch das Tragen einer Bandage oder ein Tape.
Fersenschmerzen und Einlagen
Neben der Patellasehne ist die Ferse eine weitere Stelle, die bei Wachstum zu starken Schmerzen führen kann. Dabei kann es am Fersenbein hinten oder unten zu Problemen kommen. Auch hier spielt die Wachstumsfuge eine tragende Rolle. Wie bei den Knieproblemen kann auch beim sogenannten Morbus Sever der Heilungsprozess beschleunigt werden. Die Lösungen sind ähnlich. Eine weitere Unterstützung können Einlagen in den Schuhen sein. Diese haben eine dämpfende Wirkung und verringern damit die harten Aufschläge auf den Knochenapparat. Spieler der Munich Kickers haben positive Erfahrungen mit den „FERSOmed Aktiv KIDS Therapie-Einlagen“ gemacht. Alternativ gibt es auch besondere Fußballschuhe, bei denen die Sohle erhöht ist.
Für beide Probleme ist eine passende Schuhwahl (ein weiterer Bericht) speziell für den harten Kunstrasen sinnvoll. Nocken- oder Stollenschuhe bieten einen sicheren Halt auf Gras, da sie sich leicht in den Boden eingraben. Der Nachteil auf dem Kunstrasen ist, dass der Fuß nur auf diesen Stollen bzw. Nocken steht und damit instabiler ist. Die passendere Sohle dafür wäre die sogenannte „Artificial Ground Sohle“, auch als „Tausendfüßler“ bekannt. Der Schuh verfügt über kürzere Plastikstollen, welche auf Kunstrasen einen besseren Halt bieten, ohne dabei die Gelenke zu beanspruchen. Zudem sorgt er für eine bessere Gewichtsverteilung durch mehr Kontakte zum Boden.
Euer Jonas
In unserem Privattraining können wir natürlich speziell auf die Kraft- und Mobilitätsproblemen eingehen und trainieren.
Ideen für Übungen:
Hüftstrecker inkl. Beinheber
Ausführung: In der Rückenlage werden die Beine auf eine erhöhte Fläche positioniert. Die Hüfte wird in vollkommende Streckung gebracht. Aus dieser Position wird ein Bein in Verlängerung der Hüfte gestreckt und wieder abgesenkt. Anschließend wird die Hüfte zu Boden geführt und die Bewegung beginnt wieder von vorne. In gestreckter Hüfthaltung wird das andere Bein durchgestreckt.
Alternative: Die Übung kann auch ohne Beinheber oder nur als Beinher ausgeführt werden
Achte auf: Umso gestreckter die Beine umso schwerer ist die Bewegung; die Hüfte berührt beim Absenken nicht den Boden




Ausfallschritt
Durchführung: Aus dem Stand wird ein großer Schritt nach vorne gegangen. Hier wird nun das hintere Knie Richtung Boden geführt und verharrt dort. Das vordere Bein wird so weit gebeugt, bis sich der Oberschenkel parallel zum Boden befindet. Der Schritt wird in den Stand nach vorne weg beendet.
Alternative: Aktiver Kniehub mit dabei, Wechselsprung
Achte auf: Einen stabilen Stand; das Knie setzt nicht auf den Boden auf; aufrechte Körperhaltung; vorderes Knie wird nur bis auf Höhe des Sprunggelenks geführt; Beinwechsel



Unsichtbarer Stuhl
Durchführung: An eine Wand mit geradem Rücken wie auf einen Stuhl sitzen
Durchführung: Eine Verse nach der anderen wird angehoben
Achte auf: 90° Kniewinkel; Arme locker zur Seite hängen lassen; kein Hohlkreuz oder nach vorne lehnen
Wadenheber
Durchführung: Einbeinig mit den Fußballen auf einer Treppenstufe stehend die Ferse so weit wie möglich von unten nach oben bewegen
Durchführung: Dynamisches heben und langsames senken
Achte auf: Sicheren Stand, indem sich zum Beispiel an einem Geländer festgehalten wird; nur die Fußballen stehen auf dem Absatz




