Fischteicheffekt

Liebe Kickers Familie,

heute tauchen wir ein wenig in die Psychologie ein.

In welcher Leistungsstufe ist es für einen Spieler und speziell für Kinder gut zu spielen?
Wann ist es sinnvoll für ihn, seine Mannschaft zu wechseln und wie finde ich diese?
Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Neben dem Trainer spielen beispielsweise die sportliche Qualität des Spielers und der Mannschaft, die Persönlichkeit, die Schule oder die Psyche rein.

Es ist dabei von Spieler zu Spieler unterschiedlich, welche die beste Lösung ist.

Damit kommen wir zum „Fischteicheffekt“: bildlich gesprochen kann der Spieler als Fisch gesehen werden. Der Fisch hat die Möglichkeit in verschiedenen Teichen zu schwimmen. Nur welcher Teich der richtige für ihn ist, ist nicht immer klar. 

  1. Möglichkeit

Manche Spieler müssen sich in einer Mannschaft sowohl sportlich wie auch persönlich lediglich „wohlfühlen“ und laufen mit. Sie wollen nicht im Rampenlicht stehen oder einer der besten Spieler sein. Sie wollen einfach nur in der Mannschaft dabei sein. Für sie ist dieses Setting also perfekt.

Auf den Fischteich bezogen sind sie durchschnittliche Fische, die keinen Anspruch an die großen Fische stellen und auch nicht bei diesen anecken wollen. Sie wachsen im Fischteich ganz natürlich von Tag zu Tag, indem sie ausreichend und gutes Futter erhalten.

  1. Möglichkeit

Auf der anderen Seite gibt es Spieler, bei denen genau dies zu einer Stagnation in der Entwicklung führt. Sie wollen nicht nur einfach dabei sein. Sie wollen mehr: sich nicht nur mit den größeren Fischen messen, sondern sie wollen unter den besten Spielern in der Mannschaft sein. Um zu diesen zu gehören, brauchen sie genügend Input (=Futter). Jedoch reicht dieses Futter nicht aus und sie fressen die kleineren Fische in ihrem Team einfach auf. Die kleineren Fische sind leichte Beute und helfen dem ambitionierten Fisch nicht beim sportlichen und persönlichen Wachsen.

Im Endeffekt werden diese starken Fische ihr Potenzial nicht optimal entwickeln können, da sie durch ihr Mannschaftsgefüge nicht ausreichend gefordert und gefördert werden.

Wenn solche ambitionierten Spieler, aus welchem Grund auch immer, den optimalen Zeitpunkt des Wechsels nicht wahrnehmen, resignieren sie schlussendlich und können sogar den Spaß am Spiel verlieren.

Ein großer Vorteil dieser Konstellation ist allerdings folgende: eben diese Spieler bzw. großen Fischen entwickeln ein hohes Selbstwertgefühl und Selbstkonzept. Sie merken, dass sie die Besten und darum für die kleinen Fischen unantastbar sind. Ein zu langes Verweilen und zu später Absprung aus dieser Umgebung kann zu einem unrealistischen und überschätzten Selbstkonzept führen und ist daher ab einem gewissen Zeitpunkt notwendig.

  1. Möglichkeit

Eine letzte Variante besteht darin, dass ein Spieler in eine Mannschaft kommt, in der es nur große Fische gibt. In diesem Teich heißt es nun zu überleben. Das kann einerseits daher kommen, dass der Fisch tatsächlich so groß und kräftig ist, dort mitzuschwimmen und keinerlei Probleme hat mitzuhalten, speziell in sportlicher Sicht. Natürlich kann es andererseits auch sein, dass sich der Spieler schnell anpasst und von einem kleineren Fisch zu einem großen Fisch wird.

Die größere Gefahr bei einem zu frühen Teichwechsel ist allerdings, dass der Spieler von den vielen großen Fischen einfach gefressen wird. Er merkt, dass die anderen Fische ihm überlegen sind und sich nicht dauerhaft mit diesen messen kann/möchte. Sein Selbstbild bröckelt.
Auf unseren Spieler bezogen könnte dies zur Folge haben, dass er völlig die Lust am Fußball verliert und aufhören möchte. Er ist dem psychischen und sportlichen Druck nicht gewachsen und möchte sich auf der anderen Seite auch nicht die Blöße geben in seinen ursprünglichen Teich zurückzukehren.

Es ist wahnsinnig schwer DEN Weg für jedes Kind zu finden. Die Kommunikation mit dem Trainer, der allerdings offen und ehrlich den Spieler bewerten sollte, wäre der Königsweg. Natürlich wäre es wichtig, dass der Trainer in allen Teichen schonmal unterwegs war. So konnte er ein Gespür entwickeln, ob der Spieler in einem anderen Teich besser aufgehoben wäre. Zusätzlich sollte sich der Trainer um das Wohl besonders kümmern wollen. Einen guten Spieler möglicherweise zu verlieren ist immer ein schwieriger Prozess im Team. Er bietet aber auch wieder für andere Fische die Möglichkeit sich besser entwickeln zu können oder zu müssen.

Den richtigen Weg gibt es (nicht)

Am Ende gibt es kein richtig und falsch. Auch ein ins kalte Wasser geworfener Spieler kann nicht nur überleben, sondern auch unerwarteterweise aufblühen oder ertrinken. Hier gilt, wie in vielen anderen Bereichen im Leben auch: die Leistung beeinflusst die Emotionen und die Emotionen beeinflussen die Leistung.

Speziell die Eltern sollten dabei sehr stark auf ihr Kind hören und dieses nicht fälschlicherweise in einen unpassenden Teich werfen wollen.

Dieser Fischteicheffekt lässt sich in der Wissenschaft auch auf Schulen übertragen. Hier gilt es genauso zu überlegen, inwieweit das Kind auf der passenden Schulart ist und ob es nicht einen besseren Teich gibt. Eventuell benötigt es auch nur einen anderen Teich, um dahin zu kommen, was sich das Kind wünscht, später zu machen. Auch hier gilt eine offene und transparente Kommunikation der Eltern mit den Lehrkräften und dem Kind zum Wohle des Kindes.

Euer Jonas

Kommentar verfassen

Mehr
Beiträge

Entdecke mehr von Fussballschule München ♥ Munich Kickers

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen