Liebe Kickers Familie,
der DFB möchte nicht nur in den Vereinsstrukturen und NLZs helfen, dass unsere Kinder eine bessere Ausbildung erhalten. Genauso versucht er ein noch breiteres Angebot zu schaffen. Das möchte er mit den sogenannten “Elite Schulen des Fußballs” erreichen.
Talentförderung im Fußball ist keine Neuigkeit. Nachwuchsleitungszentren (kurz NLZ) und Stützpunkttraining gehören seit langem zum Förderkonzept von Fußballvereinen und Verbänden.
Mit seinem Konzept „DFB Elite Schulen“ schaffte es der Fußballverband auch eine Tür in das Schulwesen zu öffnen. Einfach gesprochen gibt es in den entsprechenden Schulen einen speziell für die Förderung ausgelegten Fokus auf den Fußball. Die Einschreibung in eine solche Klasse ist an verschiedene Voraussetzungen gekoppelt. Die Spieler eines NLZ haben bereits durch ihren Platz im Verein einen Anspruch in diesen Zweig der Klasse aufgenommen zu werden. Zudem werden die Plätze durch das Absolvieren eines Eignungstests nach der Grundschule „erspielt“.
Diese Talentförderklassen sind in den normalen Schulalltag (Mittelschule, Realschule und Gymnasium) eingegliedert. Das Besondere ist, dass Fußball als Schulfach an zwei Tagen mit jeweils einer Doppelstunde zusätzlich „unterrichtet“ wird.
Für diese 2 x 90 Minuten werden die NLZ-Spieler mit vereinseigenen Transporten auf ihr jeweiliges Heimattrainingsgelände (z.B. FC Bayern München oder TSV 1860 München) gefahren und erhalten dort eine Fördereinheit von den Vereinstrainern des NLZ. Vereinfacht gesprochen fährt ein Shuttle des Vereins alle Schularten mit einem Kleinbus ab und bringt die Spieler gesammelt zum Vereinsgelände.
Die Spieler aus den sog. „Streuvereinen“ (keine NLZ-Spieler) werden gemeinsam von einem Landessporttrainer (z.B. vom Bayrischen Fußball Verband (kurz BFV)) trainiert und gefördert.
Dabei wird unterschieden in jüngere und ältere Schüler, die in zwei unterschiedlichen Gruppen trainieren, in der 3./4. bzw. 5./6. Unterrichtsstunde.
Bei den Inhalten und der Intensität der Einheiten kommt es auf die jeweiligen Personalien der NLZ-Trainer (Vereinsvorgabe) bzw. Landessporttrainer an. Dabei sei erwähnt, dass in den 90 Minuten die Zeiten für die An- und Abfahrt sowie für Umziehen und Duschen berücksichtigt werden muss.
Die nachfolgende Sicht auf das abgebildete Schulkonzept geht aus meiner persönlichen Wahrnehmung und Erfahrung als Lehrer und ehemaliger NLZ-Trainer mit LSK-Schüler (LeistungsSportKlasse) hervor.
Der Vorteil der Schulen hinsichtlich der Noten ist, dass die Lehrkräfte auf die langen Auswärtsfahrten am Wochenende Rücksicht nehmen und beispielsweise am Montag keinen Test schreiben. Genauso wird der Schulbetrieb bei Spielen unter der Woche hintenangestellt. Alles ist auf den Sport ausgerichtet. Die schulischen Leistungen müssen allerdings auch stimmen. Nur eben etwas angepasst.
Diese Ablaufoptimierung ist ein besonderer Pluspunkt an diesem Konzept und ermöglicht es jedem Sportler zusätzlich optimal individuell auf die schulischen und sportlichen Herausforderungen einzugehen.
Es ist allerdings zu beachten, dass das Training im NLZ meist ab der U13 an vier Abenden stattfindet. Verlängerte Schulzeiten durch die extra Stunden und extreme Trainingshäufigkeit füllen somit das Leben der Kinder und der Familien vollständig aus.
Für die NLZ-Spieler ist der getaktete Tagesablauf sowie der direkte Übergang von Schule zum Training ein Vorteil. Meist können die Spieler noch im NLZ ihre Hausaufgaben erledigen, bevor es auf den Platz geht. Das erleichtert das Leben und die Koordination der Eltern sowie der ganzen Familie erheblich.
Aus Lehrersicht gehören diese Klassen nicht unbedingt zu den Lieblingen. Es ist eine Ansammlung von Fußballspielern, die genau wissen, wie eine Mannschaft bzw. Gruppe funktioniert. Eine Ansammlung von Spielern, die ein entsprechend großes Ego mitbringen, dass sie zu den Besten gehören oder selbst der Beste sind. Eine Ansammlung von hoffnungsvollen Kindern, für die der große Traum vom Fußballprofi greifbarer scheint als ein guter Schulabschluss. Entsprechend treten die Jugendlichen in den Klassen den Lehrkräften gegenüber dominant auf.
Verständlicherweise ist es eine individuelle Entscheidung wie sinnvoll der Besuch einer solchen DFB Elite Schule ist. Daher ist es sinnvoll, sich live vor Ort mit dem Kind einen Überblick zu verschaffen und so ein Gefühl für die Schule und das Umfeld zu bekommen.
Euer Jonas


